22-04-Vom Nordkap nach Falun in Mittelschweden





 15. Juni 2022, Mittwoch

 

Nebel am Nordkap. Man spürt, hier haben sich die skandinavischen Trolle versteckt. 

Wir beeilen uns, ohne Frühstück, in Richtung Alto zu fahren. Der Kühlschrank kühlt jetzt mit dem Strom aus dem Bordnetz. 

In Honnigvag verfahren wir uns und landen vor drei großen Kreuzfahrtschiffen.  Beeindruckend diese fahrenden Hochhäuser.

Frühstück auf dem Parkplatz gegenüber der drei Kreuzfahrer. 


Mit dem Rad zum Nordkap und zurück. Wir haben viele Radler auf dem Weg hin und auch wieder zurück gesehen. Respekt!
Wir verfahren uns bei Honnigvag. Ein schöner Umweg.



Von hier sind es noch rund 200 Kilometer bis zum helfenden Caminghändler. Davon fahren wir über 13 km durch Tunnel. Honnigvag-Tunnel 4400m, Nordkaptunnel unterm Meer 6870m und ein weiterer langer Tunnel schlägt mit 2980m zu Buche.

Beim Campinghändler in Arta löst sich unser Kühlschrank-Problem ganz einfach physikalisch. Ein Kühlschrank in kalter Umgebung kühlt nicht. Wir müssen die Leistung des Kühlschrankes erhöhen, damit er kühlen kann. So einfach ist das. Und das mir als ehemaligen Physiklehrer!  

Hier ist es immer noch kalt. Wir müssen in den Süden. 





Auf dem ehemaligen Campingplatz Alteidet finden wir unseren Platz für die Nacht am Bach und am Fjord. Gegenüber schneebedeckte Berge! Fantastische Aussicht. Wir stehen allein im Paradies und im hellen Polartag. In diesem Bach, mit seiner Schneequelle oben in den Bergen, werden wir morgen mit Sicherhit nicht baden, geschätzte Temperatur: ganz schön kalt. Der Bach hat als Quelle einen Gletscher!

ÜP: 70.029254, 22.091029

 





16. Juni 2022, Donnerstag


 
Fahrtag vom verlassenen Campingplatz in Alteidet über Finnland bis nach Schweden

Unser ursprüngliches Ziel Narvik hat sich beim Blick auf unsere Fahrtroute ins Abseits gestellt. Über Finnland ist es 100 km kürzer.  Die Diesel- und Benzinpreise in Norwegen sind exorbitant hoch. Wir kommen auf umgerechnet 2,80 €! Über Finnland, mit Tanken in Finnland kurz vor der schwedischen Grenze wird unsere Tankrechnung sehr viel günstiger. 2,60€ zahlen wir in Kaaresuvanto in Finnland. In Schweden soll der Preis höher liegen, irgendwo zwischen Finnland und Norwegen. 

Das heute war eine schöne Panoramafahrt. Traumhafte Gegend, ein unglaublicher Wasserfall unterwegs. Und zum Schluss so ungefähr 90 Kilometer gerade Straße mit rechts und links fast nur Sumpfgebiet. Sonst nichts! Irre.


Blick von unserem Übernachtungsplatz über den Fjord.

Auf dem Weg über die Berge.





Ü: 68.441736, 22.478894

Übernachten schon in Schweden, nachdem wir auf der finnischen Seite getankt haben. Hier steht es sich neben der schönen Kirche angenehmer. 

 




Ja, unsere Reisepläne haben wir etwas angepasst, man kann auch sagen, aus finanziellen Gründen geändert, optimiert. 

Die Mitte Schwedens kennen wir noch nicht. Die Küste Norwegens kennen wir von unserer ersten Nordkapfahrt von vor rund 15 Jahren und jetzt vom Nordkap durch die Kälte bis nach Skibotn. 

Die Mitte Schwedens zur Zeit der Mitternachstsonne ist einfach auch ein Traum. Den erfüllen wir uns jetzt mit Leben!

 

17. Juni 2022, Freitag

 

Fahrtag von der finnisch-schwedischen Grenze bis zum Laponia-See. Zwischendurch einkaufen und immer wieder die Gegend betrachten. Am „toten“ Wasserfall Harspranger bietet sich ein Blick in den ausgewaschenen Felsencanyon. Überwältigend!

 





 

Ein toter Wasserfall ist ein durch bauliche Maßnahmen, hier in diesem Fall durch den Bau eines großen Wasserkraftwerkes „gezähmter“ Wasserlauf. 

Hier am Laponia-See stehen wir mit anderen Wohnmobilen direkt am Wasser, sehr angenehm.



Am Laponia - See

 

18. Juni 2022, Samstag

 

Vom Laponia-See nach Storuman


Unterwegs.

Es wird mal wieder Zeit den Komfort eines Campingplatzes zu nutzen. Also für zwei Nächte nach Storuman, hier gibt es laut Internet drei Gaststätten. 

Gaststätten gibt es hier im Norden ganz wenige. 

Geburtstagsabendessen im „Restaurang 3 an“. Eingerichtet im Stile von amerikanischen Schnellresaurants im Stil der 50/60-er Jahre. So richtig Spitzen-Gastronomie ist das aber nicht. 

 

 

19. Juni 2022, Sonntag

 

Auf dem Campingplatz in Storuman

Der Blog muss endlich veröffentlicht werden. Das platzeigene WLAN reicht gut an unser Wohnmobil heran. 

Einmal durch den Ort bummeln. 

Ja, und hier passiert das undenkbare: Über die letzten zwei Tage gibt es keine Fotos! 

Wir haben es einfach vergessen.  

 

 

20. Juni 2022, Montag

 

Von Storuman nach Östersund

In der Stadt Dorothea müssen wir für alle, die Dorothea heißen unbedingt anhalten und fotografieren.






Östersund ist eine lebhafte Einkaufsstad hier in Nordschweden. Die Menschen sind entspannt und genießen die Sonne. Wir laufen von unserem Platz am Wasser in die nicht weit entfernte Altstadt. Uns gefällt es hier. Essen bei Bastard-Burger. Hat gut geschmeckt. 


Hier kann man gut schlafen!
Östersund, Innenstadt



So geht Gestaltung!
In der Burger-Bude.

 
Bei Bastard Burgers


 

21. Juni 2022, Dienstag

 

Von Östersund zum UNESCO-Weltkulturerbe Fagelsjö Gammelgard

Der „Alte Hof von Fagelsjö“ ist einer von sieben Höfen die das UNESCO-Welterbe „Helsingehöfe“ bilden, sehr gut erhaltene Bauernwirtschaften diese Gebietes.




Vor dem Gelände treffen wir einen von den vielen Fahrern in Autos mit großen Nummern drauf, die wir in den letzten Tagen gesehen haben. Wir fragen, was seid ihr für eine Truppe?

Wir nehmen an der „Baltic Sea Circle 2022“ teil. Das ist eine Ralley, die in Hamburg beginnt und endet. Man darf nur bestimmte Straßen benutzen, also keine Autobahnen und hat für unterwegs bestimmte Aufgaben zu erfüllen.

 AK

Für 2023 steht auf der Seite des Veranstalters folgendes:

- Start und Ziel in Hamburg

- 7.000 km in 16 Tagen durch 9 Länder

- Old School Fahrzeuge, mindestens 20 Jahre alt

- Kein GPS, kein Navi, keine Autobahn

- Roadbook voller unglaublicher Aufgaben und Herausforderungen

- Deine Charity: Sammle 750 € für ausgewählte oder selbst ausgesuchte Projekte


Hier am Alten Hof von Fagelsjö soll ein Bild mit einem Pferd gemacht werden, dass das Fahrzeug zieht. Die 117 hat dafür ein typisches Holzpferd aus Fagelsjö so vor dem Auto gestellt und fotografiert, dass es tatsächlich so aussieht, als ob das Pferd das Auto zieht. Über diese Art des Fotografierens kommen wir mit Vater und Sohn, die mit einem Oldtimer unterwegs sind ins Gespräch.

Hier der Link zu dieser interessanten Art des Reisens:

  

https://superlative-adventure.com/baltic-sea-circle/zahlen-und-fakten.html

 

 


Wir sind für einen Besuch spät dran und werden von einer jungen Dame, geboren und gelebt bis vor einem Jahr in Chemnitz, geführt. Was ihr hier in Schweden fehlt ist deutsches Mischbrot. Ansonsten gefällt es ihr hier gut. Natürlich fehlen auch die Familie und der Freundeskreis von zu Hause. Die Mutti kommt in drei Wochen für drei Wochen. Wir fragen nach dem Begriff „gammel“. Ja „gammel“ bedeutet im schwedischen alt. Jetzt beim Schreiben suche ich nach helsing = helfen. Reisen ist spannend und man gewinnt immer wieder neue Einsichten, oder auch Bestätigungen. Ich, wir lieben das.



Sehr gut erhaltene Inneneinrichtung.


Hier haben wir wunderbar Kaffee getrunken.

Weg zum See hinter dem Hof.



Unser Wohnmobil unterm Pferd!

 

22. Juni 2022, Mittwoch

 

Von Fagelsjö nach Rättvik

Unser schwedischer Nachbar, hier vor dem Museum schwärmt von einer Kobaldmine in der Nähe und empfiehlt uns zur Übernachtung und Besichtigung Tellberg am Siljan-See.    

Zuerst zur Kobaldmine. 

Bei „schönesleben“ lese ich:

„Bergmänner schauten nach allem, was glänzte, suchten nach Gold und Silber. Erze, die sich nicht verarbeiten ließen und beim Erhitzen zum Himmel stanken, bekamen Spottnamen wie zum Beispiel Kobalt, denn es galt als sicher, Kobolde hätten wertvolles Silber gefressen und in minderwertiges, hässliches Kobalt verwandelt. Erst im 13. Jahrhundert gelangte in China die blau-weiße Porzellanmalerei zur Blüte.“ 

„Bei einem heute weltbekannten Dekor war es beispielsweise Absicht, Granatäpfel und deren Blüten zu malen. Doch weil kaum einer die Früchte je gesehen hatte, kommentierten die Leute: „sieht aus wie Zwiebeln“. Das berühmte Meissner Zwiebelmuster erhielt so seinen Namen.“

Ab 1737 betreibt man hier in Loos kontinuierlich und intensiv den Abbau von Kobalt. Es wurden bis zu 17 Tonnen Farbmasse pro Jahr produziert. 

Für Chemiker und Historiker: 1751 entdeckte hier Axel Frederik Cronstedt das damals neue Element Nickel. 

Rund zehn später war der „Kobold“ in der Grube ausgebeutet, die Grube ging Konkurs.

1989 erinnerte man sich an die alte Grube, ein Verein gründete sich und holte die Geschichte aus dem Vergessen zurück.   


Vor der Kobaltmine.
Hier ging man früher rein.
So geht man jetzt als Besucher rein.
Querschnitt der Mine.




Auch hier, eine junge Dame stammt aus Deutschland und spricht natürlich perfekt deutsch. 

Genug Kulturgeschichte. 


Unterwegs.


Jetzt zum Campingplatz nach Tellburg am Silja-See. Einmal durch den schönen Ort, um festzustellen, der Campingplatz ist überfüllt. Die lassen uns nicht rauf. Dann eben nicht!

Zurück nach Rättvik, dort hatten wir einen Campingplatz am Wasser gesehen und überfüllt schien er uns auch nicht. Hin, wir kommen rauf. Man steht schön hier.  


Vor dem Campingplatz in Rättvik

Auf dem Campingplatz in Rättvik


23. bis 26. Juni, Donnerstag, Freitag, Sonnabend bis Sonntagmittag

Falun Campingplatz


Campingplatz Falun: Es ist wunderschön hier.

Unser nächstes Ziel ist Falun, hier war eine bedeutende Kupfermine, die jetzt zum UNESCO-Welterbe zählt. Vor vier Jahren waren wir in der aktiven Kupfermine Erdenet in der Mongolei, die rund 10% der weltweiten Kupferproduktion liefert. Der Vergleich ist schon interessant. Die Mine Falun lieferte über 1000 Jahre Kupfer. Die mongolische Mine Erdenet ist seit 40 Jahren in Betrieb und beliefert rund 10% des benötigten Kupfers in alle Welt. Erdenet ist um ein Vielfaches größer als die Mine hier in Falun. Trotzdem, wir sind beeindruckt, was hier bis 1996 gefördert wurde. Mit den Fahrrädern fahren wir zur Mine und schauen in ein 95m tiefes Loch. Ebenfalls mit den Rädern rund um die Mine. 











Aus den Abfällen der Kupfermine wird die typische schwedische rote Farbe, mit der sehr viele Holzhäuser in Skandinavien gestrichen sind, hergestellt. Der Eisengehalt des Abraums sorgt für dieses sogenannte „Falun-Rot“. 


Hier wird/wurde aus dem Abraum der Grube die Farbe "Falunrot" hergestellt.



In Falun stehen wir auf dem Campingplatz direkt am Wasser. Der Weg mit den Rädern in die Innenstadt ist keine 5km lang. Die Stadt gefällt uns. 

 

Ein Glück, dass wir am Donnerstagabend in die Stadt gefahren sind. 


Falun Innenstadt


Am Freitag und am Sonnabend ist hier tote Hose, nichts los. Die Schweden feiern Mittsommer. Dieses lange Wochenende legt wohl alle Städte in Schweden lahm. Die Leute haben frei. Es zieht sie an die Seen und in den Städten ist nichts mehr los. 

Mittsommer, auf unserem Campingplatz ist sehr ruhig, familiär. Baden, picknicken, kein Alkohol, kein Lärm. Naja, kein Lärm stimmt nicht. Der Lärm kommt von den übermotorisierten Booten die über den See meist vernünftig, manchmal aber auch laut wie ein gerade startender Hubschrauber, brettern.


"Weisse Nacht" - es ist um 1:09 Uhr in der Nacht. Wir sind etwas südlich des Polarkreises.


Am Sonnabend fahren wir zur Sprungschanze. Hier oben ist ein großartiges Sportgebiet für alle möglichen Sommer- und Wintersportarten. Weltmeisterschaften in den nordischen Wintersportarten wurden hier ausgetragen. Was uns auffällt, auf den Siegertafeln für diese Weltmeisterschaften sind die damaligen Länderbezeichnungen korrekt aufgeführt. 

Der Ausblick von der großen Schanze ist überwältigend. Hier stellen sich Menschen hin und rutschen mit Brettern an den Füßen bis zum Schanzentisch und springen dann ins Tal. Da muss man jede Menge Mut haben.  


Die Schanzenanlage flößt schon Hochachtung vor dem Mut der Sportler ein.

Er ist die Mountain Bike Strecke von oben gefahren und gestürzt. Der Helm ist gesplittert, der Kopf ist heil !!!
Der gelbe Sand wird im Winter in den Auslauf verteilt.

 

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